Sozialen Wohnungsbau umsetzen PDF Drucken E-Mail
Sonntag, den 31. Januar 2016 um 15:11 Uhr

Sozialer Wohnungsbau tut auch in Jöllenbeck not


Benni Stiesch-klÜber den geplanten Bau von Sozialwohnungen in Jöllenbeck haben Bürger ihren Unmut in der Einwohnerfragestunde der Bezirksvertretung kund getan. Laut der Zeitung Westfalenblatt klagten insbesondere Bürger aus der "Mittelschicht" über steigende Kriminalität und bezweifelten, dass es sich um einen geeigneten Standort handelt.

Dazu der Wortbeitrag von Benni Stiesch aus der Bezirksvertretung Jöllenbeck vom 21. Januar 2016


Was mich hier an der bisherigen Diskussion stört, an den Redebeiträgen ist die Gleichsetzung von Begrifflichkeiten, die sich so nicht verknüpfen lassen. Hier wird in einem Atemzug davon geredet, dass sozialer Wohnungsbau Kriminalität begünstigt. Sagen sie das einmal einen Vertreter oder Bewohner der Freien Scholle oder der BGW.

Beides sind erfolgreiche Wohnungsbaugesellschaften, die ihre Wurzeln im sozialen Wohnungsbau haben. Und die heute auch noch viele Wohnungen für einkommensschwachen Einwohner dieser Stadt stellen. Die werden aufs heftigste bestreiten, dass Kriminalität im sozialen Wohnungsbau beheimatet ist oder dort seine Ursachen hat. Keine Frage, es gibt im sozialen Wohnungsbau auch Menschen, die kriminell sind. Aber die finden sie ebenso in einer Ein-Familienhaus-Siedlung. Nur weil dort ein krimineller Mensch wohnt, diffamieren sie doch nicht die ganze Siedlung oder das Konzept der Siedlungsform.

 


Meine Bitte an dieser Stelle: Machen sie dies auch nicht mit den sozialen Wohnungsbau! Und bitte stellen sie auch nicht den sozialen Wohnungsbau in Frage. Dieser war notwendig für viele Menschen in dieser Stadt, ist es noch immer und wird es in Zukunft auch weiterhin bleiben. Er ist ein notwendiges Mittel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

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Im Gegensatz zu meinen Vorredner, Jens Julkowski-Keppler, bestreite ich, dass in der jüngsten Vergangenheit hier genügend getan wurde und sage, dass die derzeitige Förderung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Gut, dass endlich was passiert! Und was ist das für ein sozialer Wohnungsbau, wo die Förderung einer Wohnung nach 30 Jahren aufläuft und sich einen ortsübliche Miete einstellt?

Für DIE LINKE gilt: Einmal sozialer Wohnungsbau, immer sozialer Wohnungsbau!

Und an die Adresse der CDU-Fraktion hier: Ihre Auflistung von Stellen, wo es in Jöllenbeck bereits geförderten Wohnraum für einkommensschwache Gruppen gibt, ändert an der Tatsache nichts, dass der Bedarf an diesen Wohnungen immer noch größer ist als das Angebot. Wir also dort bauen sollten wo wir nur können! Und wo auch der Bedarf vorhanden ist. Dass die neuen Wohnungen – ich gehe mal von 20 bis 28 aus – inmitten des Ortskerns entstehen sollen, sehe ich als ein gutes Zeichen. Hier gibt es eine gut funktionierende Nachbarschaft, womit ich die Hoffnung verbinde, dass die Integration der Flüchtlinge einfacher von statten geht als wenn man sie in Gegenden ansiedelt, wo es für sie schwieriger wäre.


Eine Ghettosierung sollten wir in Jöllenbeck bewusst vermeiden. Und diese Menschen in unserer Mitte willkommen heißen. Wenn Balkone das das einzige für sie von der CDU sind, weshalb sie Zweifel an der Zumutbarkeit der geplanten Häuser für Flüchtlinge haben, so will ich hier der letzte sein, der sich gegen Balkone ausspricht. Ich gebe aber zu bedenken, dass wir hier allerdings von Häusern für einkommensschwachen Einwohner in dieser Stadt sprechen.

Die Freien Scholle hat im Sanierungsgebiet „Auf dem Langen Kampe“ bewusst auf den Anbau von Balkone verzichtet, da den Bewohnern wichtiger war, dass sie zwar eine sanierte Wohnung erhalten, die allerdings auch weiterhin bezahlbar ist. Mit einem Balkon davor wäre es für viele nicht mehr der Fall gewesen. Und wenn sie die Berichterstattung verfolgt haben, werden sie gelesen haben, dass die Gebäude so errichtet werden sollen, dass die Standards später nachgebessert werden können. Wir haben hier einen – wo mich der Kollege Otto Eisenhardt ständig zu Recht drauf hinweist – einen gültigen Bebauungsplan, der sich in nichts verändert, indem wir morgen dort sozial geförderten Wohnungen errichten und dort erst einmal Flüchtlinge unterbringen. Hier wird nur Baurecht umgesetzt.


Und zu guter Letzt – ich hätte nicht gedacht, dieses Mal zu tun – muss ich sagen, dass ich in dieser Hinsicht unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel uneingeschränkt unterstütze. Diese Menschen, die wir hier aufnehmen, sind Menschen, die vor großer Ungerechtigkeit und Krieg flüchten. Die unserer Hilfe benötigen. Und wo wir uns sagen müssen, dass wir das schaffen.


An dieser Stelle meinen ausdrücklichen Respekt gegenüber Erwin Jung von der CDU-Fraktion. Dass sie zu ihrer Zustimmung im Stadtentwicklungsausschuss für diese Ausweisung der 10 Bauflächen für den sozialen Wohnungsbau - die wir hier ja auf Jöllenbeck runter gebrochen diskutieren - nicht abweichen wollen, ist ein gutes, ein starkes Zeichen. Auch, weil sie es mit ihren Erfahrungen aus dem Sozial- und Gesundheitsausschuss begründen können.


Benni Stiesch, Bezirksvertreter DIE LINKE in Jöllenbeck


[Erwin Jung hat zusammen mit den VertreterInnen der Die LINKE, DIE GRÜNEN und der SPD für die Bebauung des Festplatzes gestimmt. Somit wurde der Antrag von der BV Jöllenbeck 9:6 angenommen.]

 

Hier: »Der Verzicht auf Profit gewährleistet preiswerteres Bauen und Wohnen«