Mit Herz, Verstand und Zivilcourage für Sozialwohnungen PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 30. März 2016 um 19:41 Uhr

Offener Brief an den Bezirksbürgermeister Detlev Knabe

 

 

Bernd-Adolpf-klBernd Adolph, Stadtteilgruppe DIE LINKE in Schildesche, reagiert auf den offenen Brief des Herrn de Brabandt, der sich gegen den Bau von Sozialwohnungen im Schildescher Zentrum ausspricht.

 

Sehr geehrter Herr Knabe,

 

 

mit großem Befremden habe ich den “Offenen Brief“ des Schildescher Urologen de Brabandt an Sie in der NW vom 25.3.16 gelesen.

In der Hoffnung, dass einem Offenen Brief eines anderen Schildescher Bürgers ebenso viel prominenter Platz in der NW gewährt wird, möchte ich Sie darüber in Kenntnis setzen, dass auch ich mit zahlreichen Schildescher Bürgern, darunter Ärzten, Kirchenleuten etc. gesprochen habe, die ob der peinlichen bis dreisten Argumentation im o.g. Schreiben sehr bestürzt und verärgert sind.

 

 

Unkommentiert möchte ich die an AfD – Sprachhülsen erinnernden Passagen über Merkel und Gabriel lassen, die wenig bis gar nichts mit dem zur Debatte stehenden „Schildescher Marktplatz“ zu tun haben und für die Sie kaum als Ansprechpartner zuständig sein dürften.

 

Diese Äußerungen dienen wohl eher dazu die Schwachstellen der eigenen „Argumentation“ zu verdecken.

 

  • Peinlich ist, dass die NW hier einem Bürger wertvollen Platz gewährt, der ein wohl eher persönliches Bedürfnis („Er selbst wohnt nicht weit entfernt vom Platz an der Beckhausstraße“) kaschieren möchte durch einen recht durchsichtigen Verweis auf nicht genannte „Freunde und Geschäftsleute.“
  • Peinlich ist zudem die mehrfache Betonung des „Denkmal geschützten historischen Ortskerns“, was ja nun den Schildescher Marktplatz gerade nicht betrifft.

Momentan und seit Jahren wird dieser Platz als Parkplatz und 1x im Jahr für Karussels genutzt. Ansonsten ist er ungenutzt. Dem gegenüber steht der Bedarf an „bis zu 18550 Wohnungen“ für die „schnellst wachsende Stadt in NRW“ – wie in der NW vom 27.2.16 stand. Man muss schon einen sehr eigenartigen Gerechtigkeitssinn besitzen, der Verwaltung angesichts dieser prekären Situation „Ungerechtigkeiten“ (…) „wie die jetzt beabsichtigte Planung“ vorzuwerfen.

Die Alternative für diesen derzeit nicht sonderlich attraktiven Platz heißt doch:

(kaum genutzter) Parkraum gegen dringend benötigten Wohnraum.

  • Peinlich ist zuletzt die Annahme, dass sowohl die zukünftigen Bewohner_innen als auch die mir als weltoffen bekannten und geschätzten Schildsker Bürger_innen es zulassen sollen, dass hier ein „sozialer Brennpunkt“ entsteht. Dazu gehören immer zwei Seiten.

Solche Probleme haben auch eher mit einer Stadtentwicklung zu tun, die soziale Schichten möglichst voneinander getrennt hält; die Stadt Bielefeld hat offensichtlich und zum Glück aus früheren Fehlern gelernt, wenn sie solche Vorschläge macht, wie Herr Brabandt sie ablehnt.

Ghettoisierung ist der Stoff, der in Brüssel Moelenbeck und den banlieus von Paris   schlimmste Folgen hat entstehen lassen, wie wir sie täglich aus den Nachrichten entnehmen müssen.

  • Dreist ist es zuletzt – sehr geehrter Herr Knabe –, wenn der Verfasser Sie persönlich   „haftbar“ machen möchte für eine nicht in seinem Sinne verlaufende demokratische Diskussion und Beschlussfassung der gewählten Bezirksvertreter, und der u.a. mit juristischen Konsequenzen droht, wenn er mit seinem Vorhaben scheitern sollte.

 

Ich wünsche Ihnen, den gewählten Mitgliedern der Bezirksvertretung Schildesche und v.a. den Schildskern, mit Herz, Verstand und mit Zivilcourage dafür zu sorgen, dass Menschen auch in Schildesche bezahlbaren Wohnraum erhalten können und in die Gemeinde integriert werden.

 

Mit freundlichem Gruß

 

 

Bernd Adolph

 

Der Brief ging mit Bitte um Veröffentlichung an die Neue Westfälische sowie an deren Lokalredaktion Schildesche, vertreten durch Herrn Arno Ley

 

Hier: NW

Artikel über den Brief von Herrn de Brabandt