Terrorismus ist nicht mit Terror zu besiegen PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 21. November 2015 um 10:48 Uhr

Redebeitrag auf der Kundgebung gegen Krieg und Terror.

"Die Mütter und Väter im Irak weinen genauso um ihre Kinder"

redecsDie furchtbaren Anschläge in Paris haben uns tief erschüttert. Unsere Gedanken sind bei den vielen Opfern, ihren Familien und Freundinnen und Freunden. Die grenzenlose Gewalt gegen Menschen ist zutiefst zu verurteilen.
Die Täterinnen und Täter, und die Drahtzieher der Anschläge, müssen zur Verantwortung gezogen werden.


Es handelt sich aber nicht um eine neue Dimension der Gewalt, sondern neu ist: der Terror ist leider auch in Europa angekommen. Woanders wütet er schon länger.
Deshalb gedenken wir heute auch der Opfer in Beirut, beim Airbus-Absturz Ägyten und die Opfer der Anschläge in Ankara, in Kurdistan sowie den unzähligen Toten und Verletzten in Syrien, im Irak, im Jemen oder Libyen.


Viele Menschen wurden Opfer von terroristischen Attentaten,
Aber viele Menschen, die weitaus größere Zahl, wurden Opfer von militärischen Interventionen. Allein im Krieg unter der Führung der USA gegen den Irak starben über 800.000 Menschen, viele davon waren Frauen und Kinder.


Schon die Sanktionen vor dem Krieg gegen den Irak von 1990- 2003 haben zigtausenden Kinder das Leben gekostet, weil eine ausreichende Versorgung aufgrund des Importverbotes von Medikamenten, Lebensmitteln und medizinischen Geräten nicht sichergestellt werden konnte.


Die Mütter und Väter im Irak weinen genauso um ihre Kinder, wie die Mütter u. Väter der Anschlagsopfer in Paris.


Die Interventionskriege zum Regimewechsel durch westliche Regierungen und diese Sanktionen muss man ebenso als Terror gegen die Menschen bezeichnen. Hier darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.


In einem Brief von 4 ehemaligen Drohnenpiloten der US Airforce an Barak Obama heißt es:
Das Töten unschuldiger Zivilisten befeuere Hassgefühle, die den Terrorismus und Gruppen wie den "Islamischen Staat" (IS) antreiben. Der Drohnenkrieg wirke wie ein "Rekrutierungsprogramm für Terroristen". Er sei "eine der verheerendsten Triebfedern des Terrorismus und der Destabilisierung weltweit". Immer wieder sind unschuldige Menschen durch den Einsatz von Drohnen getötet worden.


Dieses und die Erfahrung der letzten Jahre zeigen,

Terrorismus ist nicht durch Terror zu besiegen, sondern ist Grundlage von neuem Terror.


Das entschuldigt natürlich nicht die Attentate von Paris, wir sind heute hier versammelt um ein Zeichen gegen den Hass und die Intoleranz vom sog. Islamischen Staat zu setzen.

Und wir müssen uns entschieden dagegen aussprechen, dass die Ereignisse von Paris genutzt werden, Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen, demokratische Grundrechte abzubauen und Krieg als Lösung von Konflikten zu sehen.


*Wir fordern eine sofortige Einstellung aller Waffenexporte an die Türkei und an andere reaktionäre Regime im Nahen Osten

 

*Es wird endlich Zeit, dass der sogenannte Islamischen Staat von den Finanzströmen und dem militärische Nachschub insbesondere über die türkische Grenze abgeschnitten wird. Das war bereits vor dem Anschlag in Paris überfällig und wurde anscheinend nicht ernsthaft angegangen. Traurig.

 

*Wir solidarisieren uns mit dem Widerstand in Rojava, dazu gehört auch die Forderung nach Aufhebung des PKK Verbotes in Deutschland

 

Letztendlich ist der beste Schutz vor Terror und Krieg, eine gerechte und tolerante Gesellschaft. Und das weltweit.

 

Abschließen möchte ich mit den euch bekannten Versen

 

Leben einzeln und frei
wie ein Baum
und dabei Brüderlich wie ein Wald

 

Diese Sehnsucht ist alt
sie gibt uns Halt
in unserem Kampf
gegen die Dummheit, den Hass, und die Gewalt

 

Lassen wir diese Sehnsucht Wirklichkeit werden.

 

Für eine Welt ohne Armut, Unterdrückung und Krieg.

Hoch die internationale Solidarität

 

Carsten Strauch, Kreissprecher DIE LINKE Bielefeld

 

Bilder: Archiv