Streik im Sozial- und Erziehungsdienst - wie weiter? PDF Drucken E-Mail
Montag, den 28. September 2015 um 18:45 Uhr

Die Arbeitgeber ins Schwitzen bringen
Interview mit Beate Wernitzsch, Erzieherin

Erzieher-Kundgebung-2a

Heinz Willemsen: Ende Juni hatte die Zeitungen gejubelt. Mit dem Schlichterspruch wäre der Streik im Sozial- und Erziehungsdienst endlich beendet. Doch die Beschäftigten haben das ganz anders gesehen und mit Nein gestimmt. Warum?

 

Beate Wernitzsch: Zum einen wären einige Beschäftigte leer ausgegangen, z.B. Sozialarbeiter/Innen im Kinderschutz. Für den größten Teil der Erzieher/Innen (Berufsanfänger/Innen) hätte es ca. 33-55 Euro brutto dazu gegeben. Das hat nun wirklich nichts mit Aufwertung zu tun. Es geht uns um eine höhere Eingruppierung aller Kolleginnen und Kollegen und nicht um eine prozentuale Erhöhung der Gehälter.

Bei der Eingruppierung von Kita Leitungen und deren Stellvertreter sollten nicht nur die Kinderzahlen, sondern auch Anzahl der Gruppen und die Anzahl der Beschäftigten eine Rolle spielen. Dann ist die Laufzeit des Tarifvertrages viel zu lang und es wäre wichtig, dass alle Vorbeschäftigungszeiten bei der Stufenzuordnung anerkannt werden.
Deshalb werden wir weiter für eine Aufwertung dieser Berufe kämpfen.

 

 

HW: Der Verband der Kommunalen Arbeitgeber (VKA) hat in allen Verhandlungen nie ein ernsthaftes Angebot vorgelegt. Wie wollt ihr jetzt eins erzwingen?

 

BW: Da stecken wir momentan in den Planungen, um genau zu überlegen, wie wir die Arbeitgeber ins Schwitzen bringen können. Es soll auf jeden Fall unberechenbarer und nicht so planbar für den Arbeitgeber werden.

 

HW: Was würdest du den Eltern raten, wie können sie einen Streik noch verhindern?Erzieher-Kundgebung-Stellungnahme-DIE LINKE

 

BW: Es wäre schön, wenn wir von den Eltern auch weiterhin so unterstützt werden wie bisher und da helfen Verständnis und solidarische Worte, die Teilnahme an Aktionen oder Elternbriefe, die sich an den zuständigen Bürgermeister wenden, damit dieser auf den Verband kommunaler Arbeitgeber einwirkt.

Auch an Kommunal, Landes und Bundestagspolitiker können Eltern appellieren mit der Frage: „Was tun Sie um einen Streik im Sozial und Erziehungsdienst zu verhindern?“ Denn klar ist mittlerweile auch, dass dieses Thema ein gesamtpolitisches werden muss und nur Lippenbekenntnisse von Politikern helfen uns in dieser Debatte nicht weiter.

Das die Kommunen das allein nicht finanziell stemmen können, ist ausreichend bekannt und uns bewusst. Aber dann müssen Bund und Land helfen. Es kann nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.

Und wir müssen uns alle fragen: “Was ist uns die Arbeit mit Menschen wert?“

 

HW: Beate, schönen Dank für das Gespräch. Wir, als LINKE, werden euch weiter unterstützen, so gut wir es können.

 

Das Interview führte Heinz Willemsen, Mitglied Kreisvorstand DIE LINKE Bielefeld.

 

Bilder: Protestaktion in Bielefeld / Barbara Schmidt spricht zu Streikenden