Kommentar zur "Bielefelder Verkehrswende" PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 26. Juli 2018 um 05:52 Uhr

Jahnplatz nicht isoliert betrachten

Bernd Vollmer-klDer Jahnplatz ist der zentrale Bielefelder Platz. Etwa 22.000 Kfz überqueren ihn, davon 25% im Durchgangsverkehr, 60.000 Bielefelder steigen hier täglich um, davon 20.000 in Busse. Er verbindet die beiden großen Einkaufs- und Fußgänger Bereiche von Bahnhofstraße und Altstadt.

 

Er hat daher große Konfliktpotentiale, wirkt nicht als Platz sondern eher als große Straße bzw. Verkehrsachse. In der Regel bewegt man sich hier schnell vorbei, er hat keine besondere Aufenthaltsqualität. Es ist wünschenswert, hier einen zentralen Platz zu gestalten, der diesen Namen auch verdient.

Städtebaulich gibt es neben der Gestaltung der Verkehrsflächen mit ihrer Autoorientierung zwei bauliche Sünden, die Dächer der zentralen Busumsteigestation und das Gebäude, in dem sich „Pizza-Hut“ befindet. Gerade dieses verhindert einen freien Blick in Richtung Rathaus und Ulmenwall. Ein Verzicht darauf wäre bereits ein großer Gewinn.

 

Wenn die Verkehrswende offensiv gestaltet werden soll, dann reicht es nicht, nur den Jahnplatz neu zu gestalten. Ein gut gestalteter Radweg, der bereits nach wenigen 100 Metern im Nichts endet, ist in diesem Zusammenhang wenig hilfreich. Hier braucht es mehr Anstrengungen: ein Radwegenetz, das diesen Namen auch verdient, ist lange überfällig. Bleibt zu hoffen, dass aus der Strategiegruppe Radverkehr bald konkrete Ergebnisse kommen.

 

Eine Stadt ist immer ein Mix von unterschiedlichen Funktionen, hier existieren viele Arbeitsplätze, sie lebt vom Handelsangebot und ihrem Freizeitangebot. Insoweit muss auch der Jahnplatz im Zusammenhang mit den regionalen Verflechtungen gedacht werden. Ein durchaus wünschenswerter autofreier und auch Busfreier Jahnplatz braucht ein attraktives Angebot im öffentlichen Nahverkehr in die Region hinein. Und hier gibt es große Defizite, ein Regionalschnellbahnsystem innerhalb von Ostwestfalen-Lippe mit Verbindungen mindestens im 30 Minuten-Takt ist lange überfällig. Die Bielefelder Stadtbahn muss über Dornberg nach Werther, über Jöllenbeck nach Spenge, von Brackwede nach Friedrichsdorf fahren und auch durch den Bielefelder Osten nach Heepen fahren.

 

Solange es hier keine deutlichen Verbesserungen gibt, führt der verdrängte Verkehr auf dem Jahnplatz eher zu mehr Verkehr in Straßen, in denen Menschen wohnen, wie August-Bebel-Straße, Paulusstraße oder auch Turner- und Herrmannstraße. Das kann nicht gewollt sein.

 

Die Linke trägt das aktuelle Umgestaltungskonzept für den Jahnplatz mit, als ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung. Aber ohne deutliche Investitionen in ein besseres Nahverkehrsangebot wird es nicht gehen. Die Verlängerung der Linie 1 nach Sennestadt ist so gesehen auch ein erster Schritt in die richtige Richtung, weitere müssen aber folgen.

 

Bernd Vollmer / DIE LINKE - Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss